Bruderschaftswappen
ERSTE MARKGRÄFLER WEINBRUDERSCHAFT E.V.
ERSTE MARKGRÄFLER WEINBRUDERSCHAFT
Auggen-Hach 1994
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WEINKULTUR

Der „Wein“ ist Ausdruck einer Kultur der Lebensfreude, Geselligkeit und Entspannung
und eines Lebensgefühls, das die Schönheit des Daseins wahrnimmt und die Schöpfung achtet und liebt.
"Vina parant animos."
Wein macht das Herz bereit.
(Ovid, Liebeskunst  I, 237)

Vinum vires  (Wein gibt Kräfte), in vite vita (in der Rebe wohnt das Leben), vita fruere (genieße das Leben, trink und lebe schön immerdar)  sind Trinksprüche auf römischen Bechern, zusammengefasst und noch heute gültig in dem einfachen Wörtchen „Prosit". Wir sagen es täglich und zum Teil verstümmelt ("Prost"), ohne uns darüber klar zu werden, was die Sprache des antiken Abendlandes damit ausdrücken wollte, denn Prosit heißt: „Es möge dir nützen!". Diesem Wortsinn entspricht auch, was man sich im Markgräflerland beim Zuprosten sagt: "G´sundheit! Zuem Wohl!"

Mit dem römischen Militär hielten einst Trinkbecher, Kelch und Wein vielfachen Einzug auch in ins Markgräflerland, unsere südwestlichste Region des heutigen Deutschland. Und spätestens, als nach dem Germanensturm (die Germanen tranken kaum Wein) und der Vertreibung der Römer die Klöster den Wein retteten, bekamen wir aus dem Imperium Romanum die weinbauliche und kellerwirtschaftliche Fachsprache:
vinum  > Wein, vinitor  > Winzer / Wengerter, mustum  > Most, torcular  > Torkel, calcatura > Kelter, pressa  > Presse
vas  > Fass, cupa  > Kufe, cuparius  > Küfer, calix > Kelch, bicarium  > Becher
Historische Wurzeln der Weinbruderschaften: St.Urban und der Wein
Rebleutezünfte und Winzerbruderschaften trafen sich damals in St.Urbans Namen. Diese Bruderschaften waren zu jener Zeit sowohl soziale Solidargemeinschaften als auch religiöse Korporationen, manchmal auch Standesbehörden und auch eine Art untere Aufsichtsbehörde für den Weinbau. Viele dieser Bruderschaften fanden mit der Reformation ein Ende und zuletzt 1783 mit einem Edikt des aufklärerischen Habsburgers Joseph II. ein Ende.
Die Tradition dieser Urbansbruderschaften lebt allerdings auf das Genießerische reduziert in den heutigen Weinbruderschaften fort.

In dieser Tradition haben wir unsere Weinbruderschaft regional, historisch und kulturell verortet. Unsere Veranstaltungsreihen zur Kultur der markgräfler Weine mit Lehrfahrten, Weinproben, Wanderungen, Betriebsbesichtigungen oder Seminaren sind Ausdruck dieser Bemühungen. Darüber hinaus wollen wir geschichtliche Überlieferungen erforschen und pflegen und das gesellige Miteinander unserer Mitglieder leben und befördern.
"Und wenn es euch wie mir ergeht, so betet, dass der Wein gerät,
ihr Trinker insgemein!
O heil'ger Urban, schaff uns Trost, gib heuer uns viel edlen Most,
dass wir dich benedein!"
(Ludwig Uhland)
St.Urban und der Wein
Essay von R.Herterich)   





St.Urban I.
(222 - 230)
Historische Wurzeln der Weinbruderschaften finden sich bei den Urbansgesellschaften und im Urbanskult. Neben den lokalen und regionalen Weinpatronen gilt St.Urban (Ponifikat im 4.Jh. als Urban I.) als der eigentliche Schutzpatron des Weinstocks und des Winzers. Eine einleuchtende Erklärung für den Urbanskult findet man in dem im Mittelalter geltenden Recht: Dieses sprach den Ertrag eines Ackers oder Weinbergs dem zu, der das Feld bis zur Aussaat bestellt hatte. Als Lostag galt der Sommeranfang, der am Urbanstag, dem 25.Mai, begann. Im Landrecht des Sachsenspiegels (um 1222) finden wir hierzu: "Am Sankt Urban sind Weingarten- und Baumgartenzehnt verdient." Der Urbanskult begann mit Flurprozessionen und Bittgebeten für das Gedeihen der Reben. In der zweiten Hälfte des 13.Jh. häufen sich schriftliche Quellen, die von Schmausereien, Kinderfesten, Heischebräuchen aber auch Bruderschaften berichten.

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Brunwart von Augheim
Die Brunwart-Miniatur
des Codex Manesse, um 1300
(Johannes) Brunwart von Augheim (Ǒghein, Oughein, Ougheim, Ouchein; Auggen), ca. 1250 bis ca. 1300 (urk. 1263–1296), war Ritter, Minnesänger und Schultheiß von Neuenburg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der Stammsitz des Geschlechtes, dem Brunwart angehörte, ist  Augheim (jetzt Auggen) im Markgräflerland.
Brunwart kommt 1286 als Lehensmann des Markgrafen Heinrich von Hochberg, zehn Jahre später in einem Vergleich zwischen dem Bischof Konrad von Straßburg und der Stadt Freiburg vor. In Stil und Gedanken nähern sich seine Gedichte dem älteren Minnesang. Als her Brunwart von Ǒughein fand er mit fünf konventionell zu nennenden höfischen Minneliedern Eingang in die Große Heidelberger Liederhandschrift des frühen 14. Jahrhunderts (Codex Manesse).
Brunwart von Augheim, 13.Jh. - Willekommen si der Sumer Schoene (Eric Boulanger)
Die Herren Brunwart von Ǒghein waren ein seit 1130 als Ministerialen der Markgrafen von Hachberg nachweisbares Rittergeschlecht zu Neuenburg am Rhein, wo mehrere seiner Glieder das Schultheißenamt ausübten. Ihren ländlichen Stammsitz, Burg und Grundbesitz, hatte die Familie bis 1272 in Ǒghein (Ǒkhein, Ǒchhein), Auggen. Der bedeutendste unter ihnen war Johannes Brunwart, der zwischen 1272/73 und 1283, soweit urkundlich belegbar, Schultheiß von Neuenburg war. Seine Spuren findet man auch als Zeuge, Aussteller bzw. Siegler von mehreren Urkunden, auch nach seiner Amtszeit und bis ins Jahr 1296, in denen er als Brunwardus miles de Ouchein, her Brunwart von Ǒghein, ritter bzw. Johans Brunwart ein ritter von Ǒkein namhaft wird.
Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt, ebenso wenig sein Todesjahr. Lediglich sein Todestag, ein 11. März, ist durch einen Eintrag im Totenbuch der Neuenburger Johanniter belegt, deren Wohltäter er war und auf deren Friedhof er wahrscheinlich auch begraben wurde.

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Lazarus von Schwendi
Lazarus von Schwendi erblickte das Licht der Welt in Mittelbiberach (Schwaben) als Sohn des Ruhland v. Schwendi. Schon 3 Jahre später starb der Vater. Als Vormund und Testamentsvollstrecker hatte er den Rat der Stadt Memmingen bis zum 24. Lebensjahr seines Sohnes eingesetzt. Dieser Stadtrat schickte den noch jugendlichen Lazarus zur Universität nach Basel, wo er unter der Autorität des Humanisten Oecolalampadius und des Gelehrten Grynaeus mit grossem Eifer dem Studium der Künste und Sprachen nachging. Schon mit 13 Jahren zog Schwendi nach Strassburg, wo er Jura und weitere Sprachen studierte, und so seine Laufbahn als Diplomat vorbereitete. Schwendi wurde später Diplomat, Staatsmann und General in Diensten der Kaiser Karl V und Maximilian II.
Von 1564-1568  sandte der Kaiser den bewährten Kriegsmann an der Spitze eines Expeditionskorps nach Ungarn, um die das Reich bedrohenden mit dem König von Frankreich verbündenten Türken zurück zu drängen. Im Winter 1565 belagerte er die Feste TOKAY, welche er am 11. Februar im Sturme eroberte. Unter der reichen Beute befanden sich auch 4000 Fässchen " Tokayer".
1568 zog sich SCHWENDI aus dem aktiven Dienst zurück und betreute nun seine im Rheintale erworbenen Besitzungen : BURKHEIM (1559) - TRIBERG (1563) - Die Herrschaft HOHLANDSBERG mit der Stadt KIENTZHEIM, den Dörfern SIGOLSHEIM, INGERSHEIM, KATZENTHAL, und LOGELHEIM - die Hälfte der Städte TURCKHEIM und AMMERSCHWIHR - zur Hälfte auch die Dörfer NIEDERMORSCHWIHR und WINTZENHEIM (1564) - KIRCHHOFEN (1572). Im Jahre 1573 erhielt SCHWENDI die Vogtei KAYSERSBERG. Der Schlossherr bewohnte gewöhnlich seine Residenz Kientzheim, verwandte jedoch auch 12900 fl. für sein Schloss in Burkheim.
Bedeutung  für den Weinbau hatte er in seiner Stellung als sozial denkender Landjunker, der Spitäler stiftete, Frondienste regelte und Zunftordnungen erließ. Er ließ die rechtlichen Überlieferungen in seinen Ländereien sammeln und in den „Schwendischen Ordnungen“ festhalten. Im Mai 1583 starb Lazarus von Schwendi in seinem Schloss in KIRCHHOFEN und wurde in der Pfarrkirche in KIENTZHEIM beigesetzt, wo sein Grab bis heute erhalten ist (rechts vor der Chortreppe). Sein Standbild ist auf der linken Seite in der Mauer eingelassen.

 (Bild links: Epitaph in der Stadtkirche von Kientzheim)      

Trinkordnung nach Lazarus von Schwendi (Rolf Maurer)    






Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Johann Peter Hebel
Der "Jerusalem-Stein" in Mauchen



... erinnert an eine Parabel von Johann Peter Hebel: "Der schlaue Pilgrim"
(Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, 1811)


"Wie weit ist es noch nach Jerusalem?
Siebenhundert Stunden; aber auf dem Fußweg über Mauchen
ist es eine Viertelstunde näher."
(Johann Peter Hebel)

Ein schönes Beispiel dafür, wie Hebel seine Schriften zur sozial-ethischen Erziehung und Bildung regional verortete.
Hier nennt er "Mauchen", "Mühlheim an der Post" (Hotel Alte Post in Müllheim), das "Posthaus in Krotzingen" (Bad Krozingen) und den "Baselstab in Schliengen" (ein Wirtshaus).

J.P.Hebel, "Der schlaue Pilgrim"

Die "Alte Post" in Müllheim hat Hebel in seinem Gedicht "Der Schwazwälder im Breisgau" poetisch verewigt:

"Z Müllen an der Post,
Tausigsappermoscht!
Trinkt me nit e guete Wi!
Goht er nit wie Baumöhl i,
z'Müllen an der Post!"

Z'Bürglen uf der Höh,
nei, was cha me seh!
O wie wechsle Berg und Tal,
Land und Wasser überal,
z'Bürglen uf der Höh!

J.P.Hebel, "Der Schwarzwälder im Breisgau"     

Johann Peter Hebel
* 10.Mai 1760 (Basel)
+ 22. Sept. 1826 (Schwetzingen)



Hebel prägte wie kaum ein anderer Literat die Menschen des Markgräflerlandes.
In den alemannischen Gedichten stellte Hebel Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar. Berühmte Dichter wie Jean Paul (1803) und Johann Wolfgang von Goethe (1804) schrieben Rezensionen über die Gedichte.
Hebels zweites bekanntes Werk sind seine Kalendergeschichten, die er ab 1803 für den "Badischen Landkalender" und ab 1807 für den "Rheinländischen Hausfreund" verfasste.
Ab 1811 erschien eine Sammlung der interessantesten Kalendergeschichten, "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes". Franz Kafka erklärte dies zu seinem Lieblingsbuch.
Es zählt zweifellos zur Weltliteratur - ein Klassiker deutscher Sprache und Dichtung.
Die bekanntesten Kalendergeschichten Hebels sind wohl "Kannitverstan" und "Unverhofftes Wiedersehen". Ernst Bloch nannte diese "die schönste Geschichte der Welt".

Hebels Heimat, das obere Markgräflerland, prägte sein Leben, sein Werk, seinen Aufstieg vom früh verwaisten Dorfbuben zur Identitätsfigur im Großherzogtum Baden. Er ist zeitlebens eng mit ihr verbunden, in ihrer alemannischen Sprache schrieb er seine Gedichte.

 J.P.Hebel "Unverhofftes Wiedersehen"
 J.P.Hebel "Kannitverstan"
"Z Mülle an der Poscht"  (Gälfüeßler)
"Hebel war kein 'Heimatdichter' im heute geläufigen Sinn. Er hat 'den Dialekt dichterisch gemacht', wie Carl Jacob Burckhardt es formulierte, als er versuchte, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, das diese zauberhaften Miniaturen des Oberlandes so anders macht als die Tausend gefühlvollen Reime, die seither in der Dialektliteratur entstanden sind.
Zu Hebels Vermächtnis gehören nicht nur die liebenswerten alemannischen Gedichte, sondern auch jene wunderbar einfachen und doch tief philosophischen Kalendergeschichten, die die Menschen mit ihren Listen und Lastern, Schwächen und Tugenden so treffend porträtieren und deren Moral stets von der noblen Ethik eines aufklärerischen Vernunftchristentums gekennzeichnet ist.
Die Briefe, die Hebel an seine Vorgesetzten und Freunde schrieb, zeigen uns einen bescheidenen, hochsensiblen, fröhlichen aber auch melancholischen Menschen und einen humorvollen Erzähler. Seine alemannischen Gedichte aber haben der badischen Landschaft zwischen Todtnau und Basel ein unvergängliches Denkmal in der deutschen Dichtung gesetzt."
(Rüdiger Herterich, der vormalige Chronist der Ersten Markgräfler Weinbruderschaft, über Hebel)   
 
... hier der ganze Text

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Tobias Hermann
Tobias Hermann war in den Jahren 1749 bis 1793 Vogt in Laufen - und Eigentümer schöner Weingärten. Auf Empfehlung von Geheimrat Karl-Friedrich Wielandt beauftragte der Markgraf von Baden den Laufener Vogt als eine frühe Art Weinbauberater, die Orte zu bereisen, in denen der Weinbau darnieder lag. Begleitet von dem Obervogt und Geheimrat Wielandt, der einige Zeit im Oberamt Badenweiler-Müllheim Amtsverweser war, zog man "in feierlicher Runde" von Weinort zu Weinort, um die Rebleute zu belehren.
Hermann meinte, dass sie im Markgräflerland weitaus weniger Fehljahre und mehr Weinertrag hätten und regte also im Bezirk Pforzheim die gleiche Pflanzmethode wie im Oberland an, was auch von den dortigen Winzern dankbar aufgenommen wurde. Es wurden neue Anlagen geschaffen, Gräben nach der Reihe gezogen und im Frühjahr die Setzlinge bis eineinhalb Schuh (45 cm) Tiefe und auf den Abstand von dreieinhalb Schuh (1,05 m) gelegt, diese mit verwitterter Erde bis zu den obersten Augen zugedeckt und bei weiterem Aufschießen im Frühjahr mit geschickter Beschneidung ohne einen sackartigen Kopf am Hauptstamm ansetzen zu lassen, fortgefahren, bis im 4. Frühjahr die Tragbarkeit einsetzte.
Der Markgraf war so beeindruckt, dass er dem Vogt Tobias Hermann von Laufen die Goldene Medaille überreichen ließ.

Dr.Walter Fauler: Der Vogt Tobias Hermann von Laufen und die Goldene Medaille. Der Beginn der Veredelung des Weinbaus in den badischen Landen

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Adolph Blankernhorn
Der Müllheimer Winzersohn Adolph Blankenhorn wurde am 6.Juni 1843 in Müllheim geboren. Seine Familie rodete, als er zur Welt kam, am Ihringer Winklerberg das Gelände für das Weingut Blankenhornsberg.  
Zunächst studierte Adolph Blankenhorn Naturwissenschaften, danach erhielt er einen Lehrauftrag für Weinbau an der ‚Technischen Hochschule‘ in Karlsruhe. Schon damals forderte er vehement ein ‚Staatliches Weinbauinstitut‘, was die Regierung in Karlsruhe  aber ablehnte. So gründete er im Jahre 1868 sein önologisches Institut in der badischen Residenzstadt und richtete das bei seiner Geburt angelegte Familiengut 'Blankenhornsberg' als Versuchsstation ein.
Blankenhorn-Denkmal auf dem alten Friedhof in Müllheim
Lange vor dem Auftreten der Reblaus auf unserer Seite des Rheins experimentierte Adolph Blankenhorn mit Bekämpfungsmethoden. So betrieb er auch die Zucht resistenter amerikanischer Wildreben und Hybriden voran.  Der nach der gescheiterten badischen Revolution nach Amerika ausgewanderte Freiheitskämpfer Friedrich Hecker  versorgte ihn dabei mit Rebsamen.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand in den Markgräfler Rebbergen noch immer der mittelalterliche Mischsatz, es wurde dabei nur sehr grob zwischen einzelnen Weinarten unterschieden. Der badische Weinbau befand sich also damals in einer wenig zufriedenstellenden Lage: Kleine Parzellen, Nebenerwerbsbetriebe und wenige Massenträger bestimmten das Bild. Die Bodenbehandlung entsprach nicht den Bedürfnissen der Rebpflanzen.
Diesen Bedingungen standen die Erkenntnisse der Naturwissenschaften gegenüber. Es war Adolph Blankenhorn, der mit Hilfe von Markgräfler Winzern diese Erkenntnisse in die Praxis umsetzte. Diese gezielte Zusammenarbeit war gleichsam der Beginn des modernen Weinbaus in Deutschland. Näheres geht aus den Briefwechseln hervor, deren Originale sich im Archiv des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg befinden.
Blankenhorns Experimentalpresse
Blankenhorns Schreibtisch
Schreibtisch Blankenhorns
im Markgräfler Museum Müllheim
Versuchspresse Blankenhorns
im Markgräfler Museum Müllheim
Es kam nun auch die Zeit, in der erste Sektmarken zur Prüfung angestellt wurden. 1847 stellte in Überlingen die Sektkellerei Hieber aus Freiburg „moussierenden Markgräfler“ an. 1889 wird die Sektkellerei Euler & Blankenhorn in Müllheim aufgeführt.
Blankenhorn selbst bezeichnete Personen, die mehrmals mit ihm in fachlichem Kontakt standen, als seine Mitarbeiter, die er oft mit Foto in seiner Sammlung veröffentlichte. Die Ziele der Zusammenarbeit gehen aus einem Vortrag zur Buchführung hervor, den Blankenhorn im März 1867 in Müllheim hielt. Er fordert die Markgräfler Winzer auf, sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen vertraut zu machen. Diese Winzer waren dann auch seine Lieferanten von Pflanzen- und Bodenproben, später kamen auch noch Most-, Wein- und Hefeproben dazu. Auch konnten die Winzer ein „Praktikum“ in Karlsruhe absolvieren, um Zucker, Säure und Alkohol bestimmen zu können. Jedoch wollte Blankenhorn, dass „seine Winzer“ die Untersuchungen auch zuhause vornehmen konnten. Dafür mussten jedoch die notwendigen Geräte beschafft werden. Blankenhorn empfahl ihnen, vor allen Dingen ein Mikroskop anzuschaffen. Er wollte eine durchgehende Behandlung von den Rebanlagen bis zum fertigen Wein.
Es tauchen dabei auch heute noch in der Region geläufige Namen auf. Dies waren in Auggen Johannes Martin und Johann Georg Gugelmeier, Fritz Krafft, Ernst Friedrich Kurz und Ludwig Muser. Aus Müllheim gehörten Franz Xaver Baumgartner, Ernst und Hermann Blankenhorn, Fritz Heidenreich, Ernst Lehnert, Maximilian Wechsler und Ludwig Adolf Söhnlin dazu. In Bezug auf Hügelheim waren es Emil Marget, Ernst Friedrich und Gustav Friedrich Meyer. Ein weiterer Schwerpunkt lag im Raum Laufen / Sulzburg mit den Namen Johann Friedrich Eckerlin, Max Kaltenbach, Ernst Friedrich Ludwig, Albert Schilling und Eduard Steinhaeussler.
Mrakgräfler Winzer bei Blankenhorn
In Wien wurde 1873 die „Internationale ampelographische Kommission“ gegründet, bereits 1874 hatte sie 355 wirkliche „Varietäten“ erfasst. Ergebnis dieser Arbeiten war ein „Handbuch der Ampelographie.“
1874 begründete Adolph Blankenhorn mit anderen den Deutschen WeinbauVerein, dessen Vorsitzender er bis ins Jahr 1893 war. Weltweite Beachtung fanden seine "Annalen der Oenologie". Er war ein Mann von einer ausgeprägten sozialen Gesinnung und ruinierte seine Gesundheit für die Belange des Winzerstands. Seine kostbare Bibliothek - die fast alle Weintitel bis 1800 umfasst - wird heute im Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg gehütet, sein Schreibtisch steht im Markgräfler Museum in Müllheim.
Groß war auch der Fortschritt in der Kellerbehandlung der Weine. Um 1900 kauften zwar einige Weinhandlungen Wein auf, die meisten Winzer kelterten aber selber und verkauften den jungen Most oder Wein noch in den Herbstmonaten. Der Fassvorrat reichte bei mehreren guten Weinjahren hintereinander nicht aus. Die meisten Trotten bestanden aus Eichenholz, manchmal auch die Spindeln.. Mit Seilwinden wurde unter Zuhilfenahme von Schraubengewinden der hölzerne Druckkörper auf die Maische gedrückt, der Traubensaft ausgepresst, aus dem Bottich mittels „Bücki“ (Rückentrage, Inhalt 40 Liter) in die Fässer im Keller umgefüllt, wo sich dann die Gärung vollzog.
In diese Zeit zwischen dem Ende der napoleonischen Kriege und der zweiten Reichsgründung 1871 fielen das Aufkommen der Edelsorten und ihr getrennter Ausbau. Hierbei erwarb sich der 1810 gegründete ‚Badische Landwirtschaftliche Verein‘ große Verdienste. Weitere Verbände, darunter der ‚Oberbadische Weinbauverein‘, entstanden nach der Reichsgründung. 1872 entstanden regionale Weinmärkte wie der Müllheimer Weinmarkt, der alljährlich im Frühjahr stattfindet. Er wurde am 7. Dezember 1872 erstmals im Rathaussaal ausgerichtet und ist inzwischen der älteste deutsche Weinmarkt. Doch ist er nicht nur als Fachmesse beliebt, immer wieder zieht er zahlreiche Weinfreunde und Weingenießer in seinen Bann, die es sich nicht nehmen lassen, die Markgräfler Gewächse zu verkosten.
Adolph Blankenhorn war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein Mann von einer ausgeprägten sozialen Gesinnung und ruinierte seine Gesundheit für die Belange des Winzerstands. In der Zeit um 1880 erkrankte er schwer und verbrachte seine letzten Lebensjahre am Bodensee, hoffte er doch, noch einmal zu gesunden. Dieser Wunsch sollte sich jedoch nicht erfüllen, Adolph Blankenhorn verschied am 7. Januar 1906 in Konstanz an einer Herzlähmung, noch vor Vollendung seines 63. Lebensjahres.

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Adolf Riedlin
Der Maler Adolf Riedlin wurde am 3.April 1892 in Laufen als Sohn einer alten Laufener Bauern- und Winzerfamilie geboren. Nach der Schule absolvierte er zunächst eine handwerkliche Ausbildung als Maler in Freiburg. Ab 1911 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. 1912/13 zwei Semester an der  Großherzoglich Badischen Kunstakademie als Schüler von Professor Walter Georgi. Danach arbeitete Adolf Riedlin selbständig als Kirchenmaler.1914 wurde dies durch den ersten Weltkrieg jäh beendet. Adolf Riedlin wurde Soldat und erlitt bereits im September eine schwere Verletzung. 1915 wurde er zum Offizierskursus abkommandiert und danach Leutnant. Bis zum Kriegsende kam er wieder zum Fronteinsatz.

Nach Wiederaufnahme des Studiums wollte sich Riedlin modernen Kunstrichtungen öffnen. 1919-1920 studierte er an der Stuttgarter Kunstakademie als Schüler von Professor Adolf Hoelzel, der heute als einer der Wegbereiter in der Entwicklung der abstrakten Malerei gilt. Riedlin sucht den Weg zu diesem Malstil - zur absoluten Malerei.

Auseinandersetzung mit bäuerlichen und dörflichen Themen. Höhepunkt:“Markgräflerinnen” von 1923. Riedlin malt ein Thema losgelöst von allem Naturalismus. 1924 ist Riedlin in Baden-Baden als Portrait-Maler  tätig. 1926-27 kehrt er nach Laufen zurück, zum Broterwerb in der elterlichen Landwirtschaft.
In diese Zeit fallen auch  sein Selbstbildnis (Familienbesitz, Bild rechts) und die Entstehung des Mahnmals für die Kriegsopfer seiner Heimatgemeinde. (Bild rechts)

1928 folgt ein fünfmonatiger Studienaufenthalt in Paris - Inspiration für neue Werke. Auseinandersetzung mit dem Surrealismus (Ölbilder). 1931 Ausstellung mit der Künstlergruppe “Badische Secession”, der er bis zu deren Verbot (1936) durch die Reichskammer der bildenden Künste angehörte. 1930 -1932 wohnte Riedlin in Basel, danach wieder in Laufen. Mehrere sehr ruhige Bauernbilder wie “Abend auf dem Kartoffelacker” von 1932.  Ab 1937 wohnt Riedlin in Freiburg, wo er bis zu seinem Tod 1969 lebte.

In einer Beschlagnahmeaktion “entarteter Kunst” im Herbst 1937 im Augustinermuseum  Freiburg wurden insgesamt fünf Bilder Riedlins beschlagnahmt und nach Berlin abtransportiert.
Zu Beginn der 30-er Jahre entstanden zahlreiche oft großformatige Gemälde, die sich mit dem Thema “Krieg” auseinandersetzten. Auch entstanden in dieser Zeit einige Wandfresken.
Ab 1940 war Adolf Riedlin wieder zum Kriegsdienst eingezogen, zunächst an der Westfront, dann aber beim Vormarsch auf Stalingrad. 1944 heiratete er zum zweiten Mal und geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
A.Riedlin: Im Herbst
A.Riedlin: Holzfäller im Winter
A.Riedlin: Ernte
Selbstbildnis Adolf Riedlin
A.Riedlin: Mahnmal für die Kriegsopfer
A.Riedlin: Holzfäller
Etwa ab 1947 begann Riedlin wieder mit ungegenständlichen Kompositionen. Aber auch sehr viele monumental wirkende Bauernbilder, so auch die Jahreszeitenbilder für seine Heimatgemeinde Laufen. Auch bei diesen Bildern lässt sich eine konsequente Reduktion feststellen: Riedlin zeigt, dass auch das Figürliche umstrukturiert werden kann, um so eine tiefere Wirklichkeit zu erfassen. Adolf Riedlin bewältigt in den 50-er Jahren zahlreiche Wandbildaufträge: “Frau Holle Fresko” in Littenweiler, für das Regierungspräsidium in Freiburg, die Schule in Buggingen, die Lortzing- Schule in Freiburg, die Wenziger Schule in Ehrenstetten, die Handelsschule in Müllheim, die Grundschule in Eschbach, das Vermessungsamt in Kehl, die Neumattenschule in Lörrach, die Schule in Laufen und für die Winzergenossenschaft in Laufen. “

"Riedlins künstlerische Bedeutung in der badischen Kunstgeschichte verteilt sich auf sein gegenständliches und abstraktes Werk ... Als abstraktem Künstler kommt Riedlin eine besondere Bedeutung zu, er war ... einer der ersten ungegenständlich arbeitenden Künstler in Baden." (Antje Lechleiter MA, Dissertation über Adolf Riedlin)
Mrakgräflerinnen
A.Riedlin: Im Hohlenberg
Altenberg
Wandbilder mit Weinbergsmotiven und Markgräflerinnen in einem Laufener Gasthaus ("Drei Lilien")

Am 9.September 1969 starb Adolf Riedlin in Freiburg. Er liegt auf dem Friedhof in Laufen begraben.
Zahlreiche Bilder Adolf Riedlins befinden sich im “Augustinermuseum” in Freiburg im Breisgau, im “Museum am Burghof” in Lörrach und im Privatbesitz seiner Familie.

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Rene Schickele
R.Schickele
René Schickele kam am 4.August 1883 in Obernheim im Elsaß zur Welt. Der Sohn eines deutschen Weingutsbesitzers und einer frnzösischen Mutter studierte Literaturgeschichte, Naturwissenschaften und Philosophie in Straßburg, München, Paris und Berlin. Schickele war dann Mitherausgeben mehrerer Zeitschriften und veröffentlichte mehrere Gedichtbände. 1914 wurde er Herausgeber von 'Die weißen Blätter', die zu einer der wichtigsten Zeitschriften des Expressionismus wurden.
Nach dem 1.Weltkrieg zog Schickele nach Badenweiler. Er engagierte sich nun mit großer Leidenschaft für die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich. Dort war er auch der Schriftstellerin Annette Kolb und dem Maler Emil Bizer freundschaftlich verbunden. Da Schickele schon 1932 Hitlers Machtergreifung kommen sah, emigrierte er nach Sanary-sur-Mer in Südfrankreich, wo er am 31.Januar 1940 verstarb. 1956 wurden Schickeles sterbliche Überreste auf den Friedhof von Badenweiler-Lipburg überführt. Dieser Ort spiegelt das, wofür René Schickele gelebt hat:  den weiten Blick über die deutsche und französische Landschaft am Oberrhein.
Schickeles literarisches Werk entstand im Spannungsfeld zwischen deutscher und französischer Kultur. Seit 1922 lebte Renè Schickele in seinem neuen Haus an der Kanderner Straße in Badenweiler. Hier, unter dem Schwarzwald-Blauen und mit dem Blick in das Rheintal und zu den Vogesen, verbrachte er seine schöpferischen Jahre, entstand sein literarisches Hauptwerk, so die Roman-Trilogie 'Das Erbe am Rhein'. Und auch die 'Himmlische Landschaft', eine Sammlung von Skizzen, Landschafts- und Naturbildern aus der Region am Oberrhein. Renè Schickeles 'Himmlische Landschaft' ist die Dichtung der Markgräfler Landschaft.
“Von den Waldwegen sieht man in die Schweiz und das Elsaß hinein …
Hier wachsen Pappel, Edelkastanie und Rebe. Es gibt Pinien und Zypressen, …
ein Hügel heißt der Ölberg, weil die Römer, die auch die Rebe hierher brachten, dort ihre Ölbäume stehen hatten …
Nach Avignon ist es nicht weiter als nach München. ”
(Rene Schickele, Himmlische Landschaft)

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Emil Bizer
Bizer, Selbstportrait
Emil Bizer gilt als einer der bedeutendsten markgräfler Maler. Geboren am 5.August 1881 in Pforzheim, machte er zunächst eine kaufmännische Lehre, hielt sich dann aber für eine längere Zeit in Paris und London auf und begann schon sehr früh zu malen.
1904 zog er nach Baden-Baden, wo er eine künstlerische Ausbildung erhielt, die er in Karlsruhe fortsetzte und erste Werke ausstellte (ab 1911). 1912 zog er dann nach Badenweiler. So war das Markgräflerland seine künstlerische Heimat geworden. Dort starb er am 9.März 1957.
Bizer schuf zunächst Radierungen, Lithografien und expressive Holzschnitte: Er widmete sich ab Ende der 1920-er und zu Beginn der 1930-er Jahre verstärkt der Malerei und wurde Mitglied der 'Badischen Seccesion', die 1946 wieder gegründet wurde, nachdem sie eine Dekade zuvor verboten worden war. Bizer wird ihr Vorsitzender und 1949 als Professor an die Staatliche Kunstakademie Freiburg berufen.
Bizer fand seine künstlerischen Themen überwiegend in der markgräfler Landschaft und den Menschen, die hier in der Landwirtschaft arbeiteten. Sein unverwechselbarer Stil war geprägt von klaren reduzierten Formen und kräftigen Farben.

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Lina Kromer
Lina Kromer wurde am 3.September 1889 in Obereggenen (Markgräflerland) geboren. 1954 wurde sie Ehrenbürgerin ihrer Heimatgemeinde und erhielt 1956 als erste Frau den Johann-Peter-Hebel-Preis, einen der wichtigsten Literaturpreise in Baden-Württemberg. Sie schrieb vor allem Gedichte in alemannischer Mundart: Im Blaue zue (1933), Gesicht am Strom (1949), An Bruder Namenlos (1958); aber auch Gedichte im Hochdeutschen: Im Rauschen der Wälder (1942), Ein Mensch und nur ein Mensch zu sein (1960).
Lina Kromer, die wortsicher schöpferische Bäuerin aus dem Eggener Tal, starb am 1.September 1977.

"Saie un ärne,
's isch allewil 's glich.
Saie un ärne,
's macht allewil rich.
E Chorn in Bode,
e Wort ins Wit,
du ärnsch vo jedem,
vo jedem, wenn`s Zit!"
Aus 'An Bruder Namenlos'

Lina Kromer
"Wer du auch bist
und was du tust,
nach einem such allein
in unsres Daseins
dumpfem Wust:
Ein Mensch,
und nur ein Mensch zu sein."


"Willst du Großes tun, so siehe,
wie das Kleine recht getan.
Großes lohnet nur der Mühe,
doch das Kleine bricht ihm Bahn."
Aus 'Ein Mensch und nur ein Mensch zu sein'

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Julius Kibiger
Julius Kibiger
"Du hast das Lied unserer Landschaft in Farbe gesungen", so würdigte die alemannische Heimatdichterin Lina Kromer den Maler. Julius Kibiger wurde in Feldberg geboren. Er erlernte zunächst das Malerhandwerk und war später Schüler von Hermann Daur (Hans-Thoma -Schüler), wo er seine künstlerische Ausbildung erhielt. Seine Motive fand Kibiger überwiegend im Markgräflerland.
Dort, in Auggen, gründete er einen Betrieb und erbaute ein großzügiges Atelier.
"Für einen Heimatmaler wie Kibiger ist die Einbindung in seine dörfliche Umgebung wichtige Voraussetzung. Aus dieser Bindung schöpft er seine Ideen und seine Motivation. Dabei wird er von seinen Mitmenschen aber auch zur Arbeit gefordert, die das dörfliche Leben überhöhen und Traditionen bewusst machen soll. Er bemalt Fassaden, schmückt Gaststuben, malt Kulissen ..." So beschreibt die Familien-Homepage seine Arbeit. Durch zahlreiche Reisen erweitert der Maler seinen Erfahrungshorizont, seine Bilder vom Markgräflerland werden immer dichter und lebensvoller.
Kibiger verarbeitet immer intensiver seine Wahrnehmungen mit besonderem Licht, dies einzufangen und mit den Mitteln der Malerei dem Betrachter zu vermitteln wurde Inhalt seiner Arbeit. Das Spannungsverhältnis zwischen Natur und menschlichen Ansiedlungen war ebenfalls sein Thema.
Mit über 4000 Werken gilt er als einer der produktivsten Heimatmaler des Markgräflerlandes.
Er hinterließ ein umfangreiches Werk, überwiegend Aquarell- und Ölgemälde, darunter oft Landschaften in impressioneller Manier, aber auch Tuschezeichnungen, Pastelle und zahlreiche Fresken.
Julius Kibiger verstarb am 19.Februar 1983 in Müllheim.

Streiflichter zur KULTURGESCHICHTE des Markgräflerlandes: Gerhard Jung
Zmits im Rhii
sott e Wegwiiser sii,
wo zwei Arm usstreckt
de Sunne zue,
ein gege s Ufecho,
ein gege s Abegoh.
Un uf jedem Arm
sotts s gliichi stoh:
 
Do goht s in d Heimet!

Aus:
Loset, wie wärs?
Kehl, Strasbourg,
Basel; 1983

Trinkspruch
De Herrgott hät die Erde gmacht
un alles was druf isch,
s Meer, s Land un d Luft
de Tag un d Nacht
de Vogel un de Fisch.
Er hät au d Rebe wachse lo
im Tau un Sunneschii.
De Winzer hät s in d Trotti gno
un gchelteret zuem Wii.
Was goldig us em Becher winkt
sell schwätzt e gueti Sproch.
Un wer de Wii mit Adacht trinkt,
isch all im Herrgott noch.
Bi allem
was an Freud un Leid
an Sorg un Sege s Lebe trait,
bi allem
was mer weiß un wott
un allem
was mer mache sott
un allem
was mer mache cha
un was mer macht
chunnt s dodruf a:
Aß ein zuem andre goht
un sait:
I hilf der!
Des isch Menschlichkeit.


Uf eim Bei
si mer sozial.
Uf eim Bei
si mer liberal.
Uf eim Bei
si mer national.
Uf eim Bei
si mer christlich.

Aber hinke
tüe mer
uf allene Viere!
Gerhard (Anton) Jung
* 10.August 1926 in Zell im Wiesental
+ 25.April 1998 in Lörrach



Gerhard Jung war im Hauptberuf als Oberamtmann bei der Post mit der Ausbildung der Mitarbeiter für mittleren und gehobenen Dienst befasst. Außerdem arbeitete er freibruflich als Heimatdichter. Nach der Pensionierung 1981 widmete er sich überwiegend dieser Leidenschaft. Er komponierte und sang auch Lieder in der alemannischen Mundart, in der die meisten seiner Texte verfasst sind.

Stark von den Kriegsjahren geprägt, wurden "Frieden" und "Versöhnung" zu den wichtigsten Themen seiner Dichtung. Für ihn stand stets im Vordergrund, mit seiner Dichtung "den Menschen eine Heimat schaffen" zu können.
Für sein Schaffen wurde Gerhard Jung 1974 mit dem Johann-Peter-Hebel-Literaturpreis des Landes Baden Württemberg ausgezeichnet. Neben vielerlei Ehrungen erhielt er 1980 die Heimatmedaille des Landes Baden-Württemberg und 1997 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
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